Der PRG - Ökologie - Technik - Spass
11. 11. 2006: Rallye Rosenheim
Zurück aus Rosenheim:
Eins
vorab, den Pokal hat sich der Luftwatz unter den Nagel gerissen und ist
damit durchgebrannt. Sollte das Mistvieh bei einem von euch auftauchen,
könnt ihr ihm gewaltig eins auf den Deckel geben. Den Pokal
könnt ihr behalten, Hauptsache das Vieh traut sich nie wieder her.
(Hinweis
an Nicht-Salatölfahrer, der Luftwatz ist ein Vieh - ähnlich
einem Wolperdinger -, dass anfallartig über einen
kommt. Es sorgt auf geheimen Wegen dafür, dass die Einspritzpumpe
statt lecker Salatöl schnöde Luft zu futtern bekommt. Das
Vieh ist schwer zu vertreiben, da es im Verborgenen agiert. Nur wenige
haben es je gesehen, aber fast alle hatten schon Ärger mit ihm...)
Der
Reihe nach. Unser Tagwerk begann gemütlich. So eine
Abendveranstaltung ist schon was nettes. Gemütlich
frühstücken, in aller Ruhe hinfahren, Auto abladen,
Papierabnahme... es hätte so schön sein können. Aber
natürlich kam es wieder etwas anders.
Auf einmal hören
wir, dass der technische Kommissar eine Waage dabeihat. Bei der Abnahme
wird jedes Fahrzeug gewogen. Schockschwerenot, wir sind doch viel zu
leicht! Die letzte Wägung ist ein paar Jahre her, und sie ergab
910 Kilo. Mittlerweile wurden die Mindestgewichte in der H angehoben, 975 kg hätten wir gebraucht. Was nun? Das Auto muss
schwerer werden, und zwar schnell und unauffällig.
Erstmal
Reserverad rein. Das passt im Zuge unserer
Vergrößerungsmaßnahmen leider nicht mehr in die
Reserverradmulde, also gurten wir es ordentlich fest. Das reicht nicht.
Volltanken, das ist noch das einfachste und bringt locker 30 Kilo. Ein
Reservekanister mit Motoröl rein, einer mit Spritzwasser für
die Scheibenwaschanlage. Alles schön verzurren. Aber das ist doch
nur Kleckerkram. Chris schleppt einen fetten Pflasterstein an und
schraubt ihn unter seiner Fussplatte ein. Hm, vielleicht 8 Kilo.
Derweil kommt uns die Erleuchtung, Sand ist ideal. Engel und Susanne
packen an der benachbarten Baustelle zwei Müllbeutel voll und
stopfen sie unter die Sitze. Das geht eher schlecht, und die Säcke
bekommen schon die ersten Löcher. Sitze ausbauen, Säcke rein,
Sitz wieder drauf. Prima, da muss schon einer ganz genau nachschauen,
um das zu bemerken... Das sollte reichen. Bangen Herzens starten wir
zur Abnahme. Hoffentlich hat keiner was gesehen... Hoffentlich reicht
das Gewicht.
Nach einigem Schlangestehen sind wir dran. Wir
schieben das Auto behutsam auf die vier Einzelwaagen und schielen
unauffällig zum Drucker.
Was ist das denn??? 1070 Kilo!!!
100 Kilo zuviel. Das Theater hätten wir uns schenken können.
Aber schön endlich einmal zu wissen, dass unser Auto soweit OK
ist. Offenbar haben ein paar Einbauten und Verstärkungen uns doch
noch in den grünen Bereich gebracht. Insbesonders am Käfig
und am U-Schutz ist da so einiges hinzugekommen, die großen
Räder und Bremsen tun ein Übriges.
Der Rest der
Abnahme läuft unspektakulär, also wieder ins Fahrerlager und
raus mit dem ganzen Müll. Die Säcke zerreissen beim Rausheben
natürlich endgültig, und der Sand fliegt in jede Ritze. Der
Tank bleibt voll, man kanns auch übertreiben.
Die
Einführungsrunde geht flott über die Bühne, wir kennen
die Strecke ja schon vom letzten mal. Erwartungsgemäß hat es
bereits angefangen zu regnen, es ist ordentlich schmierig.
Und
dann dauert es auch garnicht mehr lange bis zum Start, irgendwie sind
wir vor lauter Hektik noch garnicht richtig in Stimmung. Im Grunde
würden wir jetzt viel lieber ein Stündchen schlafen. Aber es
nützt alles nichts und schon rollen wir an den Start.
Der
Starter macht seinen Job etwas lässig, irgendwann begreifen
wir, dass wir losfahren sollen, und da mir der richtige Startrythmus
fehlt, versau ich den Start natürlich vollends. Ohne ausreichende
Drehzahl und Ladedruck klöttern wir los in die erste Rechtskurve.
Na
gut, vielleicht garnicht so verkehrt, dass hier ein bisschen Schwung
fehlt, das ist doch verdammt glitschig. Es geht weiter mit einer recht
schnellen Links, so langsam kommt Musik in die Sache. Es schliesst sich
eine Schlüsselstelle an, eine weitere sehr schnelle Links, an einem
Baum auf der Innenseite vorbei. Ich weiss vom letzten mal, dass hier
über Sieg und Niederlage entschieden wird. Auf Trockenheit geht
das praktisch voll, dann kommt mitten in der Kurve ein gewaltiger
Huppel, der einen fast unweigerlich von der Straße katapultiert.
Aber da ist Platz, droben bleiben, Auto unter Kontrolle halten, und
weiter Gas. Es folgen zwei noch schnellere Rechts, und wenn man die
Schlüsselstelle gut genommen hat, und einen hier der Mut nicht
verlässt, dann wird es jetzt so richtig flott.
Es
läuft, gut! Der Motor ist längst im idealen Drehzahlband
angekommen und tobt im vierten Gang gewaltig vor sich hin, eindeutig so
gut wie noch nie. Die beiden Kurven gehen voll, das IST flott. Jetzt
anbremsen
auf den scharfen Linksabzweig. Hallo, Anbremsen! Tu ich ja, aber viel
passiert da nicht. Die Stelle ist sowas von glatt dass Chris nachher
meinte, er hätte den Eindruck gehabt, ich hätte
überhaupt nicht das Pedal getroffen...
Wir rutschen
satte 50 Meter am Abzweig vorbei. Die Leute rechts und links und vor
allem am Ende der Auslaufzone werden etwas nervös, aber es passt
schon. Rückwärtsgang, noch haben wir keinen im Nacken, also
zurück auf die Strecke und weiter. Etwas ruhiger geworden setzen
wir die Runde fort. Jetzt geht es eigentlich ganz gut, und am Ende
haben wir fast unsere Vordermänner eingeholt. Bis in den letzten
Kurven auf einmal der Motor muckt. Ladedruck weg? Nö, eigentlich
nicht, in der Auslaufzone ist die Leistung auf einmal wieder da.
Haube
auf, aber da ist nichts zu entdecken. Das einzige was wir feststellen
können, dass wir vergessen haben, die Facet anzustellen. Also
Luft? Na ja, nächste Runde dann wieder mit Facet.
Kurze
Pause, und dann stehen wir am Start zum zweiten Durchgang. Diesmal bin
ich vorgewarnt, der Start klappt. Die schmierige erste Rechts auch. Und
die Links sowieso. Jetzt auf die Schlüsselstelle zu, nur Mut, hat
ja in der ersten Runde auch geklappt. Aber entweder es war nicht ganz
die richtige Linie, oder wir waren noch schneller. Diesmal hebelt
es so gewaltig das Heck aus, dass wir mit voller Breite und recht quer
in der Wiese landen. Und nun gibts kein Halten mehr. Was nun kommt,
veranlasste die Kamera zu dem schlichten Kommentar "Dateifehler".
Offenbar ist ihr schwindelig geworden. Das Video (1,2 MB)
endet also hier.
Es geht dreimal hin und
her, jedesmal etwas querer. Aber bei der ganzen Schleuderer baut sich
doch allmählich das Tempo ab, und im passenden Moment kommt
zufällig auch die Straße wieder vorbei. Das ganze schockt
uns nicht wirklich, wir haben uns vorher die Wiese genau angeguckt, da
war nichts böses drin.
Aber dafür beginnt das Auto wie wild zu vibrieren. Auch das kennen wir mittlerweile...
Was
wir auch schon kennen, ist der plötzliche Leistungsverlust. Damit
quälen wir uns durch den Rest des Durchgangs und sind sauer. Haube
auf, der Motor läuft schlecht im Leerlauf und nimmt unwillig Gas
an. Wir versuchen durch Lösen
der Einspritzleitungen den defekten Zylinder ausfindig zu machen, aber
das ergibt kein eindeutiges Resultat. Mechanisch scheint alles OK, was wir aber bemerken, aus den
Überwurfmuttern quillt der Schaum. Der Vorlauf ist luftfrei, aber
im Rücklauf ist die Mayonnise im Licht der Taschenlampe dann klar zu
erkennen.
Wir murksen ein bisschen rum, finden nichts. Das ganze
ist mehr oder weniger unerklärlich. Wir haben eindeutig Vordruck
und einen absolut sauberen Vorlauf. aber die Pumpe zieht Luft. Wir
legen unseren "Patent-Entlüfter" still, über den ich
noch ausführlich im Forum berichten werde. Das steigert den
Vordruck weiter, und es scheint zu Helfen.
Den Dreck kratzen
wir auch aus den Felgen, diesmal waren es vor allem die hinteren
Räder, die sich ein paar fette Dreckbatzen eingesammelt haben.
Lecker, offenbar war die Wiese frisch gedüngt...
Also
dritte Runde, eigentlich haben wir mit der Sache abgeschlossen. Wir
stehen auf Platz drei, und der Michalek mit seinem Manta hat satte 20 Sekunden
Vorsprung, die er sich in Runde 2 geholt hat. Hoffnungslos, ausser er
schiesst noch einen fetten Bock. Jedenfalls läuft es gut. Die
Schlüsselstelle klappt, die Bremspunkte stimmen, der Motor tut
sein bestes. Obenrum hat er gewaltigen Dampf, nur das Ansprechverhalten
ist noch stark verbesserungsbedürftig. Ein sehr versöhnliches
Ende der Veranstaltung. Die Zeit die wir jetzt fahren ist in diesem
Durchgang Platz 15, und das ist nicht schlecht. Am Ende hat der
Michalek mit seinem Manta noch 10 Sekunden Vorsprung, und den Pokal in
der Tasche.
Hier das Video
der dritten Runde. Auch dieses endet leider vorzeitig, ich
fürchte, die Kamera mag die Vibrationen nicht so wirklich. Die
Sicht ist mit unserem Lichterbaum durchaus besser, als das Video
vermuten lässt. Trotzdem ist es bei Nacht sehr schwierig,
Entfernungen richtig einzuschätzen, und ganz schwierig ist es, die
Bodenwellen, Löcher und Straßenzustand richtig zu
beurteilen. Nachtfahrten haben schon ihren eigenen Reiz.
Manöverkritik:
Der Abflug in Runde 2 wäre möglicherweise zu verhindern
gewesen. Irgendwie hab ich wohl den Einlenkpunkt etwas versaut, und
beim Abfangen des Querstehers offenbar ein ganz klein wenig geschlafen.
Jedenfalls kommt die Lenkbewegung erst, als das Auto schon deutlich
sichtbar quer ist, und das ist einfach zu spät. In Runde drei
landen wir auch einmal satt im Feld, aber da hab ich das Auto im Griff
halten können. Es geht also...
Tatsache ist aber auch, dass ich mir fest vorgenommen hatte, nicht allzu
defensiv zu fahren, und zumindest an den ungefährlichen Stellen
ordentlich "droben zu bleiben". So kommt man natürlich eher mal an die
fahrerischen und physikalischen Grenzen.
Der
Verbremser kam mir erst reichlich dämlich vor, aber das ging einem
Großteil der Fahrer ganz genauso. Es lag wohl wirklich an der
Stelle, die so unerwartet glatt war. Egal, es war eine schöne
Veranstaltung und ein gelungener Saisonabschluss. Das Auto ist heile,
was will man mehr.
Es sieht also nach Winterpause aus. Wenn wir
nicht noch einen Rappel kriegen, und irgend eine Winterveranstaltung
dazwischenschieben, dann geht es im Februar in Zorn weiter. Mit dieser Rallye Heidenrod
haben wir noch zwei Hühner zu rupfen. Zweimal in aussichtsreicher
Position mit Turboladerschaden ausgeschieden. Das muss besser werden.